Kunstwerk des Monats – Tiepolo in Würzburg

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Gerade gab es genau dieses Thema in meinem VHS Kurs. Tiepolos Ausmalung des Treppenhauses in der Würzburger Residenz. Was daran so faszinierend ist kann man gar nicht mir einem Wort beschreiben. Daher hier nur eine kleine Auswahl.

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# Es ist das größte zusammenhängende Deckengemälde der Welt. Größer als die Sixtinische Kapelle. Über 600 Quadratmeter.

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# Pro Tag haben der Künstler und seine Gehilfen ca. 3 Quadratmeter geschafft. Dazu haben sie die Vorzeichnungen auf Pappe auf die für den Tag frisch verputzen Bereiche genagelt, dann die Konturlinien durchgepaust und anschließend ausgemalt. Über 200 Tage haben sie so auf Gerüsten hoch über dem Treppenhaus verbracht.

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# Soviel Aufwand für ein Treppenhaus, wird der ein oder andere denken, aber das war sozusagen der rote Teppich oder die Showtreppe der damaligen Zeit. Auf der oben umlaufenden Galerie versammelten sich die bereits angekommenen Gäste und blickten auf die neuankommenden Scharen herunter. Über dem ganzen Szenario hing dann das Deckengemälde.

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# Es zeigt die aus damaliger Sicht geglaubte Realität der Zivilisationsentwicklungsstufen der vier damals bekannten Kontinente. Über allem trohnt Europa, gefolgt von Asien (das als sehr wild und gewaltbereit galt, aber doch zivilisiert) und Afrika (wichtiger Handelspartner, der allerdings seine besten Zeiten im Bezug auf den Fortschritt hinter sich hatte) und weit abgeschlagen auf dem letzten Platz Amerika, das zu dieser Zeit (1752) noch das primitive Land der Kannibalen und Wilden war.

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# Der Hausherr hat sich – gottgleich in den Himmel empor geschwungen, wo er als Porträt zwischen den römischen Gottheiten schwebt, die für die Planeten stehen. Überragt lediglich von Apoll, der als Gott der schönen Künste, die Schirmherrschaft über das Werk hat. Europa herrscht also über alles – ist am fortschrittlichsten und über Europ schwebt der Auftraggeber: Fürstbischof Carl Phillip von Greifenclau zu Vollrad. Gar nicht anmaßend der Gute.

# Die weiblichen Personifikationen der Kontinente sind je nach Grad der Zivilisation entweder noch barbusig oder schon bekleidet. Amerika reitet auf einem riesigen Krokodil, Afrika auf einem Dromedar, Asien auf einem Elefanten und Europa reitet nicht sondern lehnt sich lediglich von ihrem Thron aus an einen Stier.

Insgesamt ist es ein auf allen Ebenen faszinierendes Kunstwerk. Und die Würzburger Residenz hat nicht nur dieses Treppenhaus zu bieten. Sie ist nicht von ungefähr Weltkulturerbe. Also falls Ihr mal in der Nähe seid. Reinschauen lohnt sich.

Neues Jahr und alles wird anders

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Meine lieben Leserinnen und Leser. Die Statistik bestätigt, dass es davon immer noch reichlich gibt und mein schlechtes Gewissen wird dadurch noch ein bißchen größer. Die Selbständigkeit, die sich tatsächlich aus den Worten selbst und ständig zusammensetzt fordert ihren Tribut. Ich bin viel unterwegs und ich habe es bislang nicht geschafft meine selbst gesteckten Ziele für die Wissenswürze zu erfüllen. Einige haben mich auch schon gefragt, ob ich diese Seite still legen werde. NEIN!!! Werde ich nicht. Auf keinen Fall. Fast 5 Jahre Herzblut und Ideen, Kreativität und viel Zeit sind hier hineingeflossen. Und ich liebe diesen kleinen Blog von Herzen. Aber ich werde die Anzahl der Beiträge deutlich reduzieren müssen. Es wird vermutlich nicht mehr als zwei pro Monat geben. Alles andere würde zu Stress ausarten und mich unter Druck setzen. Das Kunstwerk der Woche wird zum Kunstwerk des Monats werden und vielleicht wird sich an der ein oder anderen Stelle auch mein berufliches Leben hier wieder finden. Dafür werde ich versuchen, der Qualität zugunsten der Quantität den Vorzug geben. Ich habe mich endlich hingesetzt und einen Plan erstellt, was ich hier machen werde und ich denke, die Umsetzung ist ohne zuviel Kraftaufwand zu machen.

Ich danke allen, die mir in den letzten Jahren die Treue gehalten haben und freue mich wieder den ein oder anderen Kommentar zu finden. Es wird auch Kooperationen geben und ich habe auch diverse Ideen für Downloads, nur wie gesagt, nicht mehr in der Menge, die als Angestellte möglich war. Ich hoffe sehr auf Euer Verständnis und wünsche Euch noch einen spektakulär schönen Sonntag und einen guten Start in die neue Woche und in einen neuen Monat.

Sonntagsmatinée #20

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Die Mona Lisa unter den Werken der klassischen Musik sind wahrscheinlich die Vier Jahreszeiten von Vivaldi. Es gibt glaube ich kaum jemanden, der sie nicht kennt. Zurecht. Man kann eigentlich wenig falsch machen. Beim Herbst gefallen mir die dunkleren Passagen besser, als das fröhliche Gefiedele zu Beginn des Satzes. Ungefähr ab der Mitte.

Damit wünsche ich Euch einen wunderbaren Sonntag und geniesst den Herbst.

Kunstwerk der Woche – Der Adel und ich oder warum ich Peter den Großen interessanter finde als Prinz Charles

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Ich bin ab und zu an Orten, an denen die Yellow Press in rauen Mengen rum liegt. So zum Beispiel bei diversen Ärzten, der Friseur ist auch so eine Quelle und andere Orte, an denen man warten muss. Ich habe immer ein Skizzenbuch dabei oder etwas eigenes zu Lesen und da ich den Spiegel nicht mehr mag und an dem Liebesleben von Helene Fischer, den Streitigkeiten der Erben verblichener Stars oder den dunklen Familiengeheimnissen der Filmsternchen nicht interessiert bin, sind mir Bunte, Gala und Freizeit Revue egal. Nicht so meinen Mitwartenden und als ich neulich beim Hausarzt war (Erkältungszeit juchu) habe ich ein Gespräch  zweier wartender Freundinnen älteren Semesters (um die 80) mitbekommen: „Ich finde ja dass die Kate immer zu kurze Röcke trägt und dabei hat es ihr die Queen doch verboten. Also wenn ich in ihrer Position wäre, würde ich machen was mir Elisabeth sagt. Du etwa nicht?“ „Ich finde das auch unmöglich. Der arme William, der muss ja auch damit klar kommen. Was macht eigentlich der Harry gerade?“ Und so ging es weiter. Als ob man von der Großnichte oder dem Enkel sprach. Ich musste recht lange warten und habe mir meine Gedanken gemacht. Erstens habe ich nur gedacht, wenn ich so tolle Beine wie Kate hätte, würde ich mir auch nicht vorschreiben lassen, wie kurz meine Röcke zu sein haben und zweitens: komisch, dass ich bestimmte Sachen einfach weiß, ohne dass ich jemals ein Klatschmagazin gekauft geschweige denn gelesen hätte. Außerdem habe ich mich gefragt, warum ich die längst verstorbenen Biographien von Königen und Kaisern viel interessanter finde als unsere gegenwärtigen. Das führte dann schließlich zur Idee als Kunstwerk der Woche mal ein Herrscher-Porträt oder zwei zu zeigen. Und als erstes lief mir Peter der Große über den Weg. Der war tatsächlich auch groß. Man geht von einer Körpergröße um die zwei Meter aus, was in der damaligen Zeit noch spektakulärer war als heute.

Interessant finde ich bei den Herrscherporträts immer die Mischung aus entspannter Herrschaftlichkeit und dem Versuch, die Stärken oder Fähigkeiten des Monarchen in Szene zu setzen. Hier sieht man Peter in schickster Rüstung, blankpoliert posieren, während im Hintergrund Schlachtengetümmel angedeutet ist. Großartig ist auch die Vorstellung, dass er mit diesem Federschmuck auf dem Helm in den Krieg zieht, weil er somit schon von weitem sehr gut als wichtiges Ziel auszumachen wäre. Nun ja man weiß von den meisten Herrschern, dass sie sich tunlichst aus den schlimmsten Gefechten herausgehalten haben, aber die Illusion wird beim Betrachter geweckt, dass der Zar hier allen Gefahren trotzend Zeit findet sich malen zu lassen und das auch noch ohne ein Fünkchen Angst zu zeigen.

Was ich über Peter gelesen habe, ist dass er sehr wissbegierig war und sich auch nicht zu schade war, praktische Kenntnisse in Schiffsbau und Hochseefischerei zu erlangen, weil er eine große Affinität für Seefahrt und Meer hatte. Er hat aber auch versucht Russland in einen modernen Staat zu verwandeln und in vielen Bereichen Reformen angestossen. Er war der erste Kaiser des Russischen Reiches.

Nur als Gedankenspiel: Was wären wohl die Schlagzeilen im 18. Jahrhundert gewesen, wenn es damals schon die Klatschpresse gegeben hätte, so wie heute? Peter der Große – trägt er versteckte Einlagen? Haartransplatation oder Perücke – das volle Haupthaar des Monarchen – echt oder Täuschung,… Vielleicht frage ich bei nächster Gelegenheit mal die Damen, was sie denn von Zar Peter dem Großen halten. Falls es eine Antwort und nicht nur verstörte Blicke gibt, werde ich berichten :)

Damit einen guten Start in eine weitere herbstliche Woche. solange die Blätter noch an den Bäumen sind, ist der Blick nach draussen eigentlich sehr nett.

Titel: Peter der Große (1672-1725)

Künstler: Jean-Marc Nattier (1685-1766)

Daten/Fakten: 1717, 142,5 x 110 cm, Öl auf Leinwand

Aufbewahrungsort: Eremitage

 

Kunstwerk der Woche – mit August Macke zu besserer Stimmung im grauen, kalten, nassen Oktober

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Eigentlich kann ich jedem Wetter irgendwas Schönes abgewinnen, aber heute ist so ein Tag – da fällt es mir schwer. Draussen ist es den ganzen Vormittag noch nicht hell geworden und es ist grau, nass und ungemütlich. Brrrr. Daher dachte ich mir, gibt es heute mal kein inhaltlich lehrreiches Kunstwerk, sondern eins, das mich in ein sommerlich grünes Paradies mit Blick auf Wasser versetzt, in dem man Muße genug hat ein Buch zu lesen.

August Macke und Franz Marc sind zwei von ca. 10 000 000 Todesopfern die der erste Weltkrieg forderte, die Zahl der Verwundeten ist noch höher. Das sind so unvorstellbar große Zahlen, dass die Einzelschicksale für mich manchmal nachvollziehbarer die Folgen des Krieges zeigen, als eine abstrakte Zahl dieser Größenordnung. Rein pragmatisch hat der Krieg ja nicht nur Folgen auf der emotionalen und menschlichen Ebene sondern auch auf der gesellschaftlichen und kulturellen. Für die Welt der Bildenden Kunst ist der frühe Tod dieser, in meinen Augen, unglaublich begabten Künstler ein sehr schwerer Verlust. August Macke starb bereits 1914 in Frankreich mit nur 27 Jahren. Da Briefe überliefert sind, die er von der Front schrieb ist fraglich, wie sein Werk weiter gegangen wäre, wäre er zurück gekehrt, gezeichnet von den unfassbaren Schrecken, die er im Krieg erlebt hat. Aber bevor er in den Krieg zog entdeckte er die Entwicklungen der Kunst in Frankreich, machte sich auf seinen eigenen Weg zu finden und tat sich mit Gleichgesinnten zusammen um die aufregende Zeit in der die Kunst sich neu erfunden hat gemeinsam zu erleben und sich in ihr auszuprobieren: DER BLAUE REITER sei hier als Stichwort genannt.

Eine kunsthistorisch sehr spannende Zeit.

Ich hoffe der Blick auf den See lenkt ein wenig vom Blick aus dem Fenster ab :)

Damit wünsche ich Euch einen guten Start in die Woche mit vielen hellen Momenten!

Titel: Landschaft am Tegernsee mit lesendem Mann

Künstler: August Macke (1887-1914)

Daten/Fakten: 1910, 55 x 60 cm, Öl auf Leinwand

Aufbewahrungsort: Habe ich auf die Schnelle nicht gefunden

Adventskalender 2015

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Wenn Ende August die ersten Lebkuchen und Dominosteine im Supermarkt auftauchen, weiß ich, dass ich nach Winteranziehsachen Ausschau halten muss, auch, wenn ich eigentlich nichts brauche. Ich bin nämlich vor einigen Jahren mal in der offensichtlich sehr ungewöhnlichen, ja merkwürdigen Situation gewesen, dass ich im tiefsten Winter eine neue Jacke für eben diese Jahreszeit brauchte, weil meine alte den Geist aufgegeben hat – na ja sie ist einem Unfall zum Opfer gefallen. Aber egal, es war Dezember und ich brauchte was zum Anziehen. Ich werde nie die amüsiert ungläubigen Blicke der Verkäuferinnen vergessen, als ich zwischen Wollcardigans und leichten Übergangsjacken nach etwas suchte, dass mich bei Minusgraden vor dem Kältetod bewahrt.

Warum erzähle ich das? Weil ebenfalls seit Ende August die Klickzahlen auf meine Adventskalenderzahlen der Vorjahre wieder deutlich ansteigen. Also dachte ich mir, bedien ich den Markt dieses Jahr noch ein wenig früher als bisher und deswegen gibt es jetzt schon die Adventskalenderzahlen.

Es gibt zwei Sprachen (deutsch und englisch), weil ich in den letzten Jahren immer wieder Fotos von Menschen aus der ganzen Welt bekommen habe (von Australien, Südafrika, Indien bis Amerika), die mir ihre Adventskalender zeigen, die mit meinen Zahlen geschmückt waren. Das freut mich so sehr. Vielen Dank dafür und da die diesjährigen Zahlen meiner großen Liebe für Handlettering geschuldet sind, somit ausgeschrieben sind, gibt es sie in beiden Sprachen.

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Und da ich von minimalistisch, traditionell bis modern etwas bieten wollte, gibt es die Zahlen jeweils in drei verschiedenen Farbvarianten. Viel Spaß damit. Ich werde meine auf weißes Papier drucken und dann grob entlang der äußeren Ränder ausschneiden. Mein Adventskalender wird dieses Jahr aus Kraftpapier sein und mit schwarz-weißem Garn&Mehr Kördelchen verschnürt. Vorher muss ich nochmal nachbestellen. Diesmal werde ich auch noch Kupfer ins Körbchen packen und schwarz weiß muss auch nochmal mit, denn die erste Spule habe ich geschenkt bekommen und die ist nun langsam leer. Ich liebe diese Garne sehr und der Blog ist auch echt inspirierend! Viele zauberhafte Ideen und schöne Fotos.

Hier alle PDFs zum Download:

First English

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Und dann noch deutsch

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Und nur weil sie immer noch beliebt sind und ich sie auch immer noch schön finde, sie aber im Design komplett anders sind, als die diesjährigen: Hier nochmal die komplette Kollektion, die ich bislang veröffentlicht habe :) 2012, 2013 (deutsch und english) und 2014. Einfach auf die Bilder klicken und Ihr kommt zu den Artikeln mit den Downloads.

Geschenkeanhänger Advent 2014 1

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Adventskalenderzahlen

 

Kunstwerk der Woche – nicht nur in der Bibel bin ich schlecht bewandert

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Eine Grippe und die Technik haben sich mir in den Weg geschmissen. Erst hat nämlich mein Immunsystem langfristiger gestreikt und zusätzlich noch die Internetzufuhr. Das Telefon geht immer noch nicht aber immerhin das Netz läuft wieder, wenn es auch, wie ich ebenfalls, ab und an noch hustet. Heute geht es nun aber endlich weiter im Programm:

Hand aufs Herz – wer kennt sich mit den nordischen Mythologie aus? Ich vermute es sind weniger, als die Leser, die grobes Wissen über die griechische und römische Götterwelt haben. Doch woher kommt das, frag ich mich? Sind die Namen zu kompliziert, die Geschichten zu wenig unterhaltsam? Waren die Quellen in den letzten Jahrhunderten nicht so gut zugänglich oder übersetzt, wie die Liebesgeschichten, Intrigen und Schlachten der griechischen Götter? Ich weiß es nicht, aber es wundert mich.

Die Affinität der Menschen zu Skandinavien ist ansonsten ja recht groß. Man fährt dorthin in Urlaub, bewundert die Kollektivität der Menschen, die Naturverbundenheit, liest skandinavische Krimis und feiert dank Ikea nun auch KNUT in Deutschland, die ganzen LAND..irgendwas Zeitschriften warten regelmäßig mit Midsommar-Bildern auf und Skandinavische Wohnträume zieren nicht selten die Cover der einschlägigen Magazine, ich selbst bin Arne Jacobsens Entwürfen ein wenig verfallen, aber mit Thor und Co. sind die meisten wahrscheinlich erst durch die Marvel-Comics bzw. ihre Verfilmung in Berührung gekommen. Ich wußte bis dahin auch nur grob, dass es Thor und Odin gibt aber dann hört es auf.

Also habe ich gedacht, daran müsste ich mal was ändern und dachte mir, ein Kunstwerk der Woche ist ein guter Grund sich mal mit den nordischen Göttern zu beschäftigen. Gemälde Thor & Co. stand daher seit diversen Wochen auf einem kleinen Post-it, der hier neben meinem Schreibtisch klebte. Bei einer ersten Recherche wurde aber schnell klar: Das braucht etwas Zeit. In der großen Welt der Bildenden Kunst ist die Thematik wirklich nur am Rand zu finden.

Gefunden habe ich einige skandinavische Kunstwerke, reichlich Illustrationen aus Skandinavischen Handschriften aber in der restlichen Welt nur sehr wenig. Eines meiner Fundstücke ist heute das Kunstwerk der Woche. Es ist die Arbeit, die Johann Heinrich Füssli für seine Aufnahme in der Royal Academy eingereicht hat. Wo er auch aufgenommen wurde. Vielleicht lag es neben der für Füssli typischen dramatischen Komposition auch an dem ungewöhnlichen Thema? Ich sollte mit diesen Überlegungen aufhören, denn ich höre in meinem inneren Ohr meinen ehemaligen Dozenten Prof. Dr. Michael Diers sagen: „Frau Wehr, das sind alles nichts als Spekulationen! Sowas machen wir Kunsthistoriker nicht!“ Ich weiß ich weiß, lieber Herr Diers, das ist nur ein kleiner Denkanstoss für mich :)

Es gibt also noch viel zu erkunden, was dieses Feld betrifft. Wenn ich mal mehr Zeit habe, will ich für mich eine Infografik machen, die mir die Genealogie und die wesentlichen Sagen/Mythen erinnerbar aufzeigt, aber bis dahin hier nur mal ein erster Einblick.

Titel: Der Kampf des Thor mit der Schlange des Midgard

Künstler: Johann Heinrich Füssli (1741-1825)

Daten/Fakten: 1788, 131 x 91 cm, Öl auf Leinwand

Aufbewahrungsort: Royal Academy f Arts, London

 

Desktopkalender 2015 #OKTOBER

oktober start

Das Internet hat gestreikt, das Telefon streikt noch immer. Da merkt man erstmal wie abhängig man von der Technik ist. Daher mit noch mehr Verzögerung als eigentlich schon heute endlich der neue Kalender. Den Text – auch wenn nicht mehr ganz passend – lass ich jetzt aus Zeitgründen einfach so.

Ich hinke hinterher und Schuld sind die verfluchten Grippeviren, die ich mir letzte Woche eingefangen habe und die mich für über eine Woche komplett lahm gelegt haben. Alle Versuche irgendwas zu tun wurden von meinen verstopften Stirnhöhlen zunichte gemacht. Es ist sooo lästig bewusst zu realisieren, dass man nichts machen kann. Aber ich habe viel geschlafen und mich nun weitestgehend erholt.

Mit etwas Verzögerung aber immerhin ist heute erst der 3.10. *hüstel – der Desktopkalender für diesen Monat. Ich liebe meine neue Schriftart sehr und die Icons gehören auch dazu. Das ist für mich besser als Schuhe kaufen gehen!

Also viel Spaß damit und feiert schön 25 Jahre Wiedervereinigung. Dank dieser konnte ich Westkind ja glücklicherweise in Jena studieren und hatte dort eine wirklich gute Zeit. So bevor ich sentimental werde, hier noch schnell die anderen Formate.

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Solltet Ihr nicht wissen, wie man einen neuen Desktophintergrund ändert: Einfach Rechtsklick auf die Datei, nachdem Ihr sie heruntergeladen habt und dann den Punkt “Als Desktophintergrund auswählen” anklicken.

Solltet Ihr ein anderes Format brauchen, schickt mir einen Kommentar, ich versuche was ich machen kann.

Wenn Ihr nicht wisst welche Größe die richtige für Euren Computer ist, gibt es hier einen LINK. Beim Öffnen der Seite zeigt sie Euch Eure Auflösung an.

Kunstwerk der Woche – van Gogh wiederentdeckt oder warum man als Künstler alles signieren sollte

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Der Herbst ist hierzulande deutlich spürbar und das bedeutet für mich, die ich das Licht so liebe, ich muss anfangen mir die kälter und dunkler werdende Jahreszeit schön zu reden bzw. zu schreiben. Nein, wenn ich ehrlich bin, mag ich den Herbst eigentlich gerne, ich mag die Farben, Tee trinken vor dem warmen Ofen und dass die Kater dann immer etwas anhänglicher werden, weil sie mich als lebende Wärmflasche missbrauchen. Aber wenn es abends wieder früher dunkel wird, das mag ich nicht. Daher heute mit dem Kunstwerk der Woche ein wenig Licht und ein wenig Frust über die Einstellung von Menschen zu Kunst.

Das Kunstwerk der Woche ist „Sonnenuntergang bei Montmajour“ von Vincent van Gogh. Es wurde erst 2013 sicher als Van Gogh zugeschrieben, nachdem es lange Debatten gab, ob oder ob nicht, hier ein echter Van Gogh zu sehen ist.

Was mich an dieser ganzen Geschichte so ärgert ist, dass Kunst wegen ihres Aussehens, ihrer Aussagen oder den Empfindungen, die sie auslöst ausgestellt werden sollte. Manchmal gewiss auch wegen ihres Alters und historischen Werts. Aber ein Kunstwerk erst aufzuhängen (so wie es der damalige Besitzer der norwegische Industrielle Christian Nicolai Mustad tat) um es abzuhängen in dem Moment, wo jemand ernste Zweifel an der Zuschreibung erhebt, um es dann auf einem Speicher zu packen und nicht mehr anzusehen, finde ich so schade und ungerecht. Abgeschrieben wurde es vor allem, weil es nicht, wie üblich, die Signatur van Goghs aufwies. Heute hat man es wieder zugeschrieben, weil die Pigmente, die gleichen sind, wie in einigen anderen seiner Werken und auch die Leinwand identisch mit mind. einem anderen Werk ist.

Was ich in den Raum stellen möchte ist aber vielmehr die Frage: Verliert ein Kunstwerk sofort seinen Reiz, wenn der Künstler nicht mehr zu den Top 10 der teuersten Künstler gehört? Kann nicht auch ein unbekannter Künstler ein Werk schaffen, das den Menschen gefällt, sie berührt und erfreut? Ich finde diese Art von Kategorisierung oberflächlich und unfair. Aber da hat sicherlich auch jeder seine eigene Sicht der Dinge.

Als ich vor kurzem jedenfalls diese Geschichte las und die, durch den Sonnenuntergang, in frühherbstliche Farben getauchte Landschaft sah, war klar, dass ich es zu einem Kunstwerk der Woche machen möchte. Also heute mal wieder einfach ein Kunstwerk zum Anschauen.

Titel: Sonnenuntergang in Montmajour

Künstler: Vincent van Gogh (1853-1890)

Daten/Fakten: 1888, 73 x 93 cm, Öl auf Leinwand

Aufbewahrungsort: Es hing auf jeden Fall für ein Jahr nach seiner Entdeckung im Van Gogh Museum, ich weiß aber nicht sicher, dass es da heute noch ist

Kunstwerk der Woche – Warum ich mich auf einmal für Napoleons Kriege interessiere

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Ich weiß gar nicht seit wieviel Jahren ich verrückt nach Wikipedia bin, aber davor war ich verrückt nach meinem 24 bändigen DTV Lexikon und davor habe ich mein Kinderlexikon geliebt. Seit jeher also finde ich gesammeltes Wissen faszinierend und unterhaltsam. Aber die Verlinkungen von Wikipedia haben natürlich dieser Liebe noch mal eine neue Dynamik verliehen. Manchmal verzettel ich mich dermaßen, dass ich am Ende bei einem Artikel ankomme, wo ich nicht mehr nachvollziehen kann, wie ich von meinem ursprünglichen Thema hier landen konnte. Beim Kunstwerk dieser Woche weiß ich es allerdings ganz genau.

Sarah Clarke hat 2004 einen vielbeachteten und mehrfach preisgekrönten Roman geschrieben, der im 19 Jahrhundert zu Zeiten der Napoleonischen Kriege spielt und eine alternative Geschichte thematisiert. Der Roman heißt „Jonathan Strange & Mr Norell“. Es geht in erster Linie um Zauberei, die nach 300 Jahren der nur theoretischen Auseinandersetzung endlich wieder praktisch angewandt werden soll. Sie soll vor allem helfen den Krieg zu gewinnen, aber zunächst müssen die skeptischen Politiker überzeugt werden.

Gelesen habe ich das Buch noch nicht, aber es gibt eine – wie ich finde – hervorragende Miniserie der BBC, die den Roman verfilmt hat und die ich gerade schaue. Dabei geht es natürlich auch um die Schlachten Napoleons und es wird unter anderem die Belagerung von Saragossa erwähnt. Saragossa? Was weiß ich denn über Saragossa – liegt glaube ich in Spanien – ist eine furchtbare Band aus den 70igern – und dann war nur noch Rauschen. Also habe ich mal wieder fleissig nachgelesen und nebenbei meine immensen Wissenslücken bezüglich Napoleons ausufernden Kriegsschauplätzen ein wenig geschlossen. Der war sogar in Portugal. Saragossa wurde 1809 von den Franzosen eingenommen, nachdem 1808 eine erste Belagerung nicht zum Erfolg führte. 1809 jedoch war man erfolgreich, nachdem man zwei Wochen lang die Stadtbefestigungen beschossen hatte und ein Großteil der eingekesselten Bevölkerung an Typhus erkrankt war. Die Verluste nur an diesem Ort waren immens: 54 000 Spanier liessen ihr Leben und 10 000 Franzosen. Unglaublich und so unnötig, für den Kriegsverlauf war die Einnahme Saragossas nicht wirklich relevant.

Ach so, das wurde in der BBC Serie erwähnt, die in London spielt, weil die Briten Verbündete der Spanier und Portugiesen gegen Frankreich waren.

So und wie bin ich nun auf das Kunstwerk der Woche gekommen. Bei Wikipedia stand:

Auf französischer Seite beschrieb der Maler Baron Louis François Lejeune seine Erlebnisse während der 2. Belagerung der Stadt, an der er als Oberst teilnahm.

Also suchte ich nach Werken dieses Malers, gar nicht weil ich das Kriegsgeschehen sehen wollte, sondern weil ich neugierig bin und ihn nicht kannte aber auch weil ich sehen wollte, was ein Maler, der ein solch furchtbares Erlebnis miterlebt hat, so malt. Gefunden habe ich aber natürlich ein Bild mit grausamem Kriegstreiben. Interessant finde ich bei solchen Werken immer wie realistisch die Szenerie/Architektur dargestellt ist.

Wir sehen die Schlacht von Saragossa, im Innenhof eines Klosters. Hier werden im Nahkampf und auch aus der Ferne (Bogenschützen in den Arkaden) die Feinde niedergemetzelt. Ich finde auf den ersten Blick nicht, dass es nach einem klaren Gewinner aussieht. Spektakulär ist aber die Pieta Skulptur, die in unschuldigem Weiß über der Szene thront. Ein Mahnmal an Trauer, Verlust und Leid, das völlig unbeachtet bleibt. Das Kloster Santa Engracia gibt es heute in dieser Form nicht mehr, nur noch eine Kirche.  Soweit ich es gefunden habe. Vor Ort selbst war ich noch nicht.

Ich habe aber eine Vedute aus dem Jahr 1808 gefunden und man erkennt es sehr gut wieder.

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Das Gemälde oben stammt jedenfalls von

Louis-François Lejeune (1775–1848)

Aufenthaltsort und Größe habe ich leider nicht gefunden.

Damit wünsche ich Euch einen guten Start in die Woche und vielleicht noch mal ein paar Tage mit spanischen Temperaturen. Die Hoffnung stirbt zum Schluss.

Kurz vor knapp – das wird hier zur Gewohnheit – nein wird es nicht

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Die meiste Zeit bin ich glücklich und froh, dass ich bei Göttingen wohne. Göttingen ist eine kleine Stadt, durch die Uni recht lebendig und hat viele schöne Ecken. Die Menschen sind nett, wenn auch natürlich etwas anders als in meiner ursprünglichen Heimat in der Nähe von Köln und Düsseldorf, aber ich fühle mich wohl.

Doch manchmal gibt es diese Tage, wo ich ein wenig geknickt bin, dass ich nicht in Berlin, Hamburg oder München wohne. Nicht nur, wenn in schicken Zeitschriften, die vielen coolen Geschäfte und Cafes aufgelistet sind, sondern wenn es um Netzwerke, Treffen und Veranstaltungen auf der beruflichen Ebene geht.

So ging es mir auch jedes Mal, wenn ich wieder sah, dass zunächst in Hamburg, dann auch in Berlin und schließlich in München Meetups von Vizthink stattfanden. Wie gerne wäre ich dort einmal vorbei gegangen, mal eben mit der S-Bahn hingedüst und hätte mir unterwegs einen tollen Kaffee in einem der coolen Cafes gekauft. Aber für zwei oder drei Stunden nach H, B oder M fahren? Na ja dass ist schon ein ziemlicher Aufwand.

Nachdem ich die ersten Sketchnote-Workshops gegeben habe, war klar – es gibt auch hierzulande viele Menschen, die gerne visualisieren – Gleichgesinnte mit einem Stift im Herzen und der gleichen Sucht nach schönen Notizbüchern.

Also habe ich kurzer Hand das Vizthink-Team in Hamburg (die Urväter bzw. -Mütter der Vizthink Meetups) kontaktiert und mich gemeldet, dass ich gerne in Göttingen Meetups organisieren möchte. Es hat dann ein wenig gedauert, wir haben uns in Berlin getroffen und ich habe mir Mitstreiter gesucht, denn ein Meetup-Team besteht im besten Fall aus drei Menschen. Ich bin glücklich, denn ich habe Tanja Föhr im Team und Marcus, der sich ja schon seit vielen Jahren mit Urban Sketching und Journaling beschäftigt, Sketchnotes macht und als Webdesigner natürlich auch absolut visuell ist.

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Heute nun ist es soweit und um 18 Uhr geht es mit dem ersten Meetup los und ich freu mich schon sehr. Wir haben das Motto Show & Tell und jeder kann mitbringen was er oder sie gerne zeigen möchte.

Alle wichtigen Informationen findet Ihr hier.

Kunstwerk der Woche – Wer sagt, dass Micky Maus lesen nicht bildet

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Manchmal kommen die Inspirationen für das Kunstwerk der Woche auf bemerkenswerten Wegen zu mir. Ich bin bekennende Donaldistin. Wir beide sind Donaldisten. Wir haben einige hundert Lustiger Taschenbücher (LTB) und kaufen die auch immer noch. Abends zum Abschalten, in der Badewanne – ich lese Donald & Co. Weniger gerne die Micky Maus Geschichten, aber ich mag Indiana Goof. Egal, darum geht es nicht, denn eigentlich wollte ich das nur erwähnen, weil im aktuellen LTB eine Geschichte ist, in der es um das Jikji geht, das erste Buch, das mit beweglichen metallischen Lettern gedruckt wurde. Hah – habe ich gedacht, das muss ja erfunden sein, weil ich doch weiß, dass der gute Johannes Gutenberg den besagten Buchdruck erfunden hat. Und ich kann Euch verraten in Göttingen ist das ziemlich präsent, weil hier ja ein Exemplar der berühmten Bibel liegt. Und dann kommt Minnie Maus an und versucht mir etwas über alte koreanische Schriften zu erklären, die 1377 bereits mit einer Technik hergestellt wurden, die doch eigentlich erst fast ein Jahrhundert später erfunden wurden. So mein Wissensstand. Ich fragte Marcus, der das LTB schon durchhatte, ob er das mit dem Jikji glaube und sein Kommentar war nur, die Geschichte ist so schlüssig, da ist bestimmt was dran. Also haben wir recherchiert und siehe da. Es gibt das Jikji wirklich und es ist das älteste erhaltene Exemplar eines Buches das mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde und stammt tatsächlich aus dem Jahr 1377. Heute befindet sich ein 38 seitiges Fragment in der Bibliothèque Nationale de France in Paris. Mehr ist nicht erhalten.

Jetzt frage ich mich die ganze Zeit, ob die koreanischen Mönche, die diese buddhistischen Schriften gedruckt haben, die eigentlichen Erfinder des Buchdrucks waren oder ob es tatsächlich Gutenberg war, weil er vielleicht nochmal irgendwas anders gemacht hat. Oder Gutenberg ist einfach aufgrund seiner europäischen Herkunft hierzulande als Held der Wissensverbreitung gefeiert, während in Korea die besagten Mönche umjubelt werden und man Gutenberg gar nicht kennt? Na ja, da muss ich wohl noch gründlicher recherchieren. Spannend ist es allemal.

Ich wollte Euch diesen bemerkenswerten Fund aber schon mal zeigen. Hoffentlich bin ich nicht eine der wenigen Menschen, die keine Ahnung hatten, dass es das Jikji überhaupt gibt. Immerhin ist es im LTB eine Geschichte füllend. Hmmm.

Damit wünsche ich Euch eine guten Start in die Woche und viel Zeit zum Lesen.

Das Foto stammt aus dem Fundus der Bibliothèque Nationale und wurde von Wikipedia genommen.