Kunstwerk der Woche 46

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Wie ja bereits letzte Woche erwähnt, war ich im Kino in dieser Ausstellungsdokumentation über Vermeer. Ich liebe seine Bilder sehr und daher ist es mehr als an der Zeit mal wieder einen schönen Vermeer hier zu präsentieren. In dem Film ging es zwar um Vermeer und die Musik, aber es wurde auch kurz eines der Werke von ihm gezeigt, das mir besonders gut gefällt und das ich deswegen diese Woche zum Kunstwerk der Woche gemacht habe.

Die Milchmagd von Johannes Vermeer ist eines der Gemälde, die so vielschichtig sind und soviele Aspekte ansprechen, dass es man schwerlich in einen Blogpost bringen kann, aber ich werde ein paar Sachen herauspicken.

Erstens: Die Darstellung der Zeit

Es gibt ein Buch von Irene Netta, das Das Phänomen Zeit bei Vermeer heißt. Ich hab es vor Ewigkeiten im Studium mal gelesen und fand es sehr interessant. Dadurch ist mein Blick geschärft für den Moment, der eingefangen wurde. Die eingefrorene Tätigkeit des Milchausgiessens. Aber auch für die Vergänglichkeit des Augenblicks, der ephimäre Anblick. Und mal ehrlich, das mit dem Licht hatte der gute Vermeer einfach drauf.

Zweitens: Die Darstellung der Stille

Ein biographisches Detail zu Vermeer, das ich wusste, ist die Tatsache, dass er 11 Kinder hatte (eigentlich 15 aber vier haben leider das Kindesalter nicht überlebt). Den darausfolgenden Umstand, dass er somit in einem vermutlich recht lauten und chaotischen Haus lebt, habe ich aber nie gemacht. Erst der Film hat den Transfer gemacht. Ich habe mir bisdahin nie überlegt, dass die Ruhe, die sein Werk ausstrahlt, vielleicht sein persönliche Zuflucht war, Rückzug in eine Stille, die real nicht existierte. Unter diesem Gesichtspunkt bekommt das Werk noch mal eine völlig andere Qualität.

Drittens: Die Darstellung von Details

Darauf machte in dem Film der Kurator des Rijksmuseums, Taco Dibbits, aufmerksam, der nämlich ganz verzückt, die Rostabdrücke der Nägel in der rückwärtigen Wand beschrieb und meinte, es sei nicht einfach eine monochrome Fläche, sondern die am schönsten verputzte Wand der Kunstgeschichte. Das brachte mich zum Lächeln und dazu, noch genauer hinzuschauen.

Das Problem bei Vermeer ist schlicht und einfach, dass es soviele Ebenen gibt, von der Gesamtatmosphäre, über die Hauptperson, die Details bis zu Kleinigkeiten im Hintergrund, die sich lohnen anzuschauen, dass man sich wirklich Zeit für diese Bilder nehmen sollte. Mehr Zeit – und das meine ich ohne ermahnend erhobenem Zeigefinger – als sich der durchschnittliche Betrachter nimmt. Also wie immer meine Empfehlung: Schaut auch mal auf die Sachen, die nicht auf den ersten Blick ins Auge springen!

Ich wünsche Euch eine gute Woche, die ich in Wien verbringen werde und viel Zeit für Schönes.

Titel: Die Milchmagd

Künstler: Johannes Vermeer (1632-1675)

Kunststil: Barock

Daten/Fakten: Öl auf Leinwand, 1658-60, 45,5 x 41 cm

Aufbewahrungsort: Rijksmuseum Amsterdam

 

2 Kommentare

  1. Das ist wirklich ein Bild, bei dem man verweilen kann und auch sollte. Mich faszinieren unter anderem die Bodenleisten der schön verputzten Wand, die eigentlich keine Leisten sind, sondern, wenn ich mich nicht täusche, blau bemalte Fliesen mit unterschiedlichen Motiven.
    Oh ja, da gibt es so viel zu staunen wie z.B. das auf Figur geschnittene Kleid der Milchmagd, und, und und…
    Danke fürs Zeigen und deine wertvollen Ausführungen.
    Lieben Gruss zum Wochenbeginn,
    Brigitte

  2. Nicht wahr, der Vermeer braucht seine Zeit. Wer weiß welche Entdeckungen wohl noch auf in diesem Gemälde zu machen sind oder worauf das Auge eines anderen Betrachters fallen würde?
    Vielen Dank für Deine Beobachtungen, die Fußleiste finde ich auch toll.
    Jetzt sende ich Dir noch mausemüde Grüße aus Wien
    Tanja

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