Kunstwerk der Woche – Wer sagt, dass Micky Maus lesen nicht bildet

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Manchmal kommen die Inspirationen für das Kunstwerk der Woche auf bemerkenswerten Wegen zu mir. Ich bin bekennende Donaldistin. Wir beide sind Donaldisten. Wir haben einige hundert Lustiger Taschenbücher (LTB) und kaufen die auch immer noch. Abends zum Abschalten, in der Badewanne – ich lese Donald & Co. Weniger gerne die Micky Maus Geschichten, aber ich mag Indiana Goof. Egal, darum geht es nicht, denn eigentlich wollte ich das nur erwähnen, weil im aktuellen LTB eine Geschichte ist, in der es um das Jikji geht, das erste Buch, das mit beweglichen metallischen Lettern gedruckt wurde. Hah – habe ich gedacht, das muss ja erfunden sein, weil ich doch weiß, dass der gute Johannes Gutenberg den besagten Buchdruck erfunden hat. Und ich kann Euch verraten in Göttingen ist das ziemlich präsent, weil hier ja ein Exemplar der berühmten Bibel liegt. Und dann kommt Minnie Maus an und versucht mir etwas über alte koreanische Schriften zu erklären, die 1377 bereits mit einer Technik hergestellt wurden, die doch eigentlich erst fast ein Jahrhundert später erfunden wurden. So mein Wissensstand. Ich fragte Marcus, der das LTB schon durchhatte, ob er das mit dem Jikji glaube und sein Kommentar war nur, die Geschichte ist so schlüssig, da ist bestimmt was dran. Also haben wir recherchiert und siehe da. Es gibt das Jikji wirklich und es ist das älteste erhaltene Exemplar eines Buches das mit beweglichen Metalllettern gedruckt wurde und stammt tatsächlich aus dem Jahr 1377. Heute befindet sich ein 38 seitiges Fragment in der Bibliothèque Nationale de France in Paris. Mehr ist nicht erhalten.

Jetzt frage ich mich die ganze Zeit, ob die koreanischen Mönche, die diese buddhistischen Schriften gedruckt haben, die eigentlichen Erfinder des Buchdrucks waren oder ob es tatsächlich Gutenberg war, weil er vielleicht nochmal irgendwas anders gemacht hat. Oder Gutenberg ist einfach aufgrund seiner europäischen Herkunft hierzulande als Held der Wissensverbreitung gefeiert, während in Korea die besagten Mönche umjubelt werden und man Gutenberg gar nicht kennt? Na ja, da muss ich wohl noch gründlicher recherchieren. Spannend ist es allemal.

Ich wollte Euch diesen bemerkenswerten Fund aber schon mal zeigen. Hoffentlich bin ich nicht eine der wenigen Menschen, die keine Ahnung hatten, dass es das Jikji überhaupt gibt. Immerhin ist es im LTB eine Geschichte füllend. Hmmm.

Damit wünsche ich Euch eine guten Start in die Woche und viel Zeit zum Lesen.

Das Foto stammt aus dem Fundus der Bibliothèque Nationale und wurde von Wikipedia genommen.

 

6 Kommentare

  1. Phantastisch, das Jikji! – Wenn es dich tröstet: Davon habe ich auch noch nie etwas gehört. Aber es scheint mir plausibel zu sein und schmälert ja dennoch Gutenbergs Verdienste nicht wirklich.

    Hab eine gute und spannende Woche!
    Mit lieben Grüssen,
    Brigitte

    • Liebe Brigitte,

      es schmälert Gutenbergs Leistung natürlich in keinster Weise zumal ich nicht glaube, dass damals in Europa das Jikji bekannt war. Vielleicht ist es einfach so ein Fall von zwei Doofe ein Gedanke – oder wie die Engländer so viel schöner sagen: Great minds think a like! :)

      Liebe Grüße in den Wochenstart der hier wirklich herbstlich anmutet
      Tanja

  2. Liebe Tanja,

    danke für die schöne Geschichte :) Ich kannte das Jikji auch nicht, falls es dich tröstet – habe also viel gelernt heute bei dir!

    Liebste Grüße

    Marina <3

    • Liebe Marina,

      ich mag solche kleinen Wissensbrocken hier und dort einfach sehr gerne :) Was liegt also näher als sie hier zu teilen :)

      Ganz liebe Grüße
      Tanja

  3. Uns hatte einmal ein Dozent an der Uni erklärt, Gutenbergs eigentliche Erfindung sei nicht der Druck mit einzelnen beweglichen Lettern gewesen (das hätten andere vor ihm auch schon gemacht), sondern die Herstellung der (Metall-)Lettern mit Hilfe von immer wieder verwendbaren Gußformen, womit eine große Menge an Lettern vergleichsweise schnell und günstig und von gleichbleibender Qualität (und immer identischem Erscheinungsbild) produziert werden konnten.

    • AHA! Da haben wirs.

      Super, dieser Kommentar klärt doch all meine Fragen. Interessant ist das Jikji trotzdem ja noch aber da haben wir den entscheidenden Hinweis. Nicht die Technik sondern die Quantität der Buchstaben kombiniert mit der Qualität sind der Unterschied.

      VIELEN DANK!

      Beste Grüße in den Abend
      Tanja

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