Kunstwerk des Monats – Tiepolo in Würzburg

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Gerade gab es genau dieses Thema in meinem VHS Kurs. Tiepolos Ausmalung des Treppenhauses in der Würzburger Residenz. Was daran so faszinierend ist kann man gar nicht mir einem Wort beschreiben. Daher hier nur eine kleine Auswahl.

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# Es ist das größte zusammenhängende Deckengemälde der Welt. Größer als die Sixtinische Kapelle. Über 600 Quadratmeter.

Tiepolo,_Giovanni_-_Deckenfresko_im_Treppenhaus_der_Würzburger_Residenz_-_Detail_Fürstin_Afrika_v.1

# Pro Tag haben der Künstler und seine Gehilfen ca. 3 Quadratmeter geschafft. Dazu haben sie die Vorzeichnungen auf Pappe auf die für den Tag frisch verputzen Bereiche genagelt, dann die Konturlinien durchgepaust und anschließend ausgemalt. Über 200 Tage haben sie so auf Gerüsten hoch über dem Treppenhaus verbracht.

Tiepolo,_Giovanni_-_Deckenfresko_im_Treppenhaus_der_Würzburger_Residenz_-_Detail_Asien

# Soviel Aufwand für ein Treppenhaus, wird der ein oder andere denken, aber das war sozusagen der rote Teppich oder die Showtreppe der damaligen Zeit. Auf der oben umlaufenden Galerie versammelten sich die bereits angekommenen Gäste und blickten auf die neuankommenden Scharen herunter. Über dem ganzen Szenario hing dann das Deckengemälde.

Tiepolo,_Giovanni_-_Deckenfresko_im_Treppenhaus_der_Würzburger_Residenz_-_Detail_Amerika

# Es zeigt die aus damaliger Sicht geglaubte Realität der Zivilisationsentwicklungsstufen der vier damals bekannten Kontinente. Über allem trohnt Europa, gefolgt von Asien (das als sehr wild und gewaltbereit galt, aber doch zivilisiert) und Afrika (wichtiger Handelspartner, der allerdings seine besten Zeiten im Bezug auf den Fortschritt hinter sich hatte) und weit abgeschlagen auf dem letzten Platz Amerika, das zu dieser Zeit (1752) noch das primitive Land der Kannibalen und Wilden war.

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# Der Hausherr hat sich – gottgleich in den Himmel empor geschwungen, wo er als Porträt zwischen den römischen Gottheiten schwebt, die für die Planeten stehen. Überragt lediglich von Apoll, der als Gott der schönen Künste, die Schirmherrschaft über das Werk hat. Europa herrscht also über alles – ist am fortschrittlichsten und über Europ schwebt der Auftraggeber: Fürstbischof Carl Phillip von Greifenclau zu Vollrad. Gar nicht anmaßend der Gute.

# Die weiblichen Personifikationen der Kontinente sind je nach Grad der Zivilisation entweder noch barbusig oder schon bekleidet. Amerika reitet auf einem riesigen Krokodil, Afrika auf einem Dromedar, Asien auf einem Elefanten und Europa reitet nicht sondern lehnt sich lediglich von ihrem Thron aus an einen Stier.

Insgesamt ist es ein auf allen Ebenen faszinierendes Kunstwerk. Und die Würzburger Residenz hat nicht nur dieses Treppenhaus zu bieten. Sie ist nicht von ungefähr Weltkulturerbe. Also falls Ihr mal in der Nähe seid. Reinschauen lohnt sich.

6 Kommentare

  1. Das sind faszinierende Einblicke und Erläuterungen zu den Treppenmalereien in der Würzburger Residenz.
    Danke dafür und liebe Grüsse in den Februar,
    Brigitte

  2. Falls Du noch nicht in Würzburg warst 😉 wirklich ein empfehlenswerter Stopp!

    Dir auch liebe Grüße in den Februar.

    Tanja

  3. Sehr schöne Einblicke!
    Ich nehme mir seit Jahren vor, einmal nach Würzburg zu fahren. Ich glaube, es sind von uns aus nur knapp 150 km. Aber es dauert immer ewig, bis ich mich zu solchen Fahrten durchringe.
    Nach dem Lesen des Artikels bin ich aber schon wieder eifrig beim Kartenstudium…. 😉

    • Hallo Matthias,

      danke für den Kommentar und fahr hin! Worauf wartest Du :) 150 km ist doch nix. Und wenn Du erstmal da bist, sagst Du Dir, Mensch, warum habe ich das nicht schon längst mal gemacht :)

      VIELEN DANK auch für deine Mail. Ich habe das mit Feuereifer gelesen, weil ich vieles an mir auch so beobachte. Ich werde schauen wie ich es einbauen kann und dann werde ich mich vorher bei Dir melden. Im Moment ist wieder viel los, daher dauert es leider alles länger als mir lieb ist.

      Liebe Grüße
      Tanja

  4. Die Residenz ist wirklich beeindruckend. Dort lohnt sich auf jeden Fall auch eine Führung. Danke für das schön Kunstwerk des Monats!

  5. Mensch Roberto, ich habe ein wahrlich schlechtes Gewissen, aber im Moment komme ich zu fast nix, weil so viel los ist.

    Vielleicht telefonieren wir einfach mal, denn ich fürchte bis ich zum Briefe schreiben kommen werde,…

    Ich hoffe aber sehr, es geht Dir gut und Du bist gut ins neue Jahr gestartet.

    Bis bald mal hoffentlich

    Liebe Grüße
    Tanja

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